SCHWER EINZUSCHÄTZEN UND OFT TÖDLICH: DER STÖRLICHTBOGENUNFALL.

Störlichtbogen

Es geschieht ohne Vorwarnung, ist kaum einzuschätzen und gehört zu den gefährlichsten Unfällen bei der Arbeit mit Elektrizität: der Unfall durch einen Störlichtbogen. Bei einer Stromstärke von bis zu 1.000 Ampère entstehen Temperaturen an die 20.000 °C, wenn eine elektrische Entladung von Luft mit stetigen Plasmaentladungen, z.B. durch eine Störung an einer elektrischen Anlage, entsteht. Mit extremem Druck werden bei diesem Kurzschluss schmelzendes Metall und Plasma explosionsartig nach außen geschleudert. Trümmerteile können dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 300 m/sek erreichen. Die intensive Hitzestrahlung erhitzt menschliche Haut innerhalb von Sekundenbruchteilen bis zum Siedepunkt und richtet schwere Hautverbrennungen an.

Die Folgen sind oft tödlich. Überlebende können nur mit intensiver ärztlicher Behandlung wieder genesen oder bleiben zeitlebens durch die Folgen der Verletzungen beeinträchtigt. Für Unternehmen entstehen durch Schadensersatzansprüche oder Geldstrafen häufig hohe Kosten, wenn Gefährdungsanalysen und die Entwicklung von Schutzmaßnahmen gar nicht oder nur mangelhaft durchgeführt wurden. Betroffen sind häufig industrielle Betriebe, denn hier anfallende Arbeiten, wie etwa an Strom führenden Komponenten oder die Montage von Kabeln in unter Spannung stehenden Anlagen, gehören zu den gefahrenträchtigsten Situationen überhaupt.

Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (OSHA) hat ein Verfahren der Gefährdungsbeurteilung entwickelt, um herauszufinden, welche Schutzmaßnahmen zur Begrenzung der Gefährdung durch einen Störlichtbogen vorhanden sein sollten. Die Schutzkleidung spielt hierbei eine besondere Rolle, da sie den menschlichen Körper in erster Linie vor den gravierenden thermischen Wirkungen schützt. Ohne persönliche Schutzausrüstung (PSA) sind Verbrennungen vierten Grades mit irreversiblen Schäden möglich. Laut OSHA muss Schutzkleidung die thermischen Wirkungen eines Störlichtbogens so stark abmildern, dass dem Träger maximal Verbrennungen ersten Grades entstehen, von welchen er sich wieder erholen kann. Diese Anforderungen werden durch die Maximalwerte der Hitzeflussmessung bestimmt, die unterhalb der STOLL-Kurve für Verbrennungen zweiten Grades liegen müssen.